Ein echter Jahrhundertregen

06.12.2017

Untere Wasserbehörde: wasserwirtschaftliche Anlagen ordnungsgemäß eingesetzt

Die extremen Niederschlagsmengen im Sommer dieses Jahres mit ihren Auswirkungen auf die Gewässerregulierung waren Gegenstand eines Fachgespräches Anfang Oktober in Perleberg zwischen der unteren Wasserbehörde des Landkreises Prignitz als Gewässeraufsicht und den Unterhaltungspflichtigen für die Gewässer I. und II. Ordnung, das sind das Landesamt für Umwelt (LfU) und der Wasser- und Bodenverband „Prignitz“ (WBV). Dabei wurden Starkregen- und Hochwasserereignisse der Einzugsgebiete der drei Hauptfließgewässer Löcknitz, Stepenitz und Karthane einzeln durchgesprochen und jeweils Art und Umfang der Gewässerunterhaltungsmaßnahmen und die Steuerung der wasserwirtschaftlichen Anlagen analysiert und ausgewertet.                          

Meteorologisch gesehen, war das Niederschlagsereignis Ende Juni 2017 ein Extremereignis, bei dem an mehreren Messstellen im Landkreis Prignitz über 100 l/m² Regen in 24 h gefallen ist. Dies entspricht einem Ereignis mit einem statistischen Wiederkehrintervall von 100 Jahren – also ein echter Jahrhundertregen. Das nächste Starkregenereignis Ende Juli 2017 brachte nochmals starke Niederschläge mit bis zu 80 l/m² in 24 h, die aber auf komplett wassergesättigten Boden gefallen sind und somit zu 100 % zum Abfluss in die Oberflächengewässer gelangt sind. Nach beiden Niederschlagsereignissen kam es zu Ausuferungen in allen drei Gewässersystemen.

Bei dem Termin wurde auch erörtert, ob die Gewässerunterhaltungsmaßnahmen in den drei Einzugsgebieten zeit- und fachgerecht durchgeführt wurden und ob fehlende oder zu dem Zeitpunkt noch nicht ausgeführte Gewässerunterhaltungsarbeiten direkt zu Schäden, z. B. an der Infrastruktur oder auf landwirtschaftlichen Flächen, geführt hatten.

Im Einzugsgebiet der Löcknitz wurde die besondere Situation des Flusses als vollständig staureguliertes Gewässersystem mit einem flachen Gefälle im Unterlauf beleuchtet. Auch bei den vergleichsweise großen Überflutungen landwirtschaftlicher Flächen, die durch eine Drohnenbefliegung im Auftrag der unteren Wasserbehörde dokumentiert wurden, wurde abschließend festgestellt, dass die Gewässerunterhaltungsmaßnahmen und die Regulierung der wasserwirtschaftlichen Anlagen ordnungsgemäß abgelaufen waren. Eine vorzeitige Gewässerunterhaltung, z. B. die Krautung der Gewässersohlen, hätte die Folgen des Hochwasserereignisses nicht geändert. Eine vorherschauende Entlastung der einzelnen Stauhaltungen im Ober- und Mittellauf war wegen der stetig wechselnden Niederschlagsprognosen nicht zielgerichtet durchführbar. Eine wesentliche Schlussfolgerung aus diesem Termin ist, dass Mittel- und Oberlauf der Löcknitz zwischen Gadow und der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern in die Maßnahmenplanung des Hochwasserrisikomanagement des Landes Brandenburg aufzunehmen ist. Als erste Maßnahme wäre dazu eine Gefährdungsanalyse für diesen Gewässerabschnitt zu erstellen.

Bei der Stepenitz wurde im Ergebnis dieses Termins festgelegt, dass die Gewässerunterhaltung des rechten Rieseleiumfluters aus Gründen des Hochwasserschutzes zukünftig mindestens zweimal im Jahr durchgeführt werden wird. Zur sicheren Bedienung und Überwachung der automatischen Steuerung der Wehranlagen im Stadtgebiet von Perleberg bei evtl. technischen Störungen nahm das LfU entsprechende Hinweise auf.

Ebenso wurde abgestimmt, wie die Kommunikation zwischen den Dienstkräften des LfU und der Feuerwehreinsatzleitstelle West in Potsdam optimiert werden kann.

Für das Einzugsgebiet der Karthane wird der WBV „Prignitz“ einen Unterhaltungsplan für die Gewässerunterhaltung erstellen, der für ausgewählte Abschnitte auch einen vorgezogenen Beginn der Gewässerunterhaltungsarbeiten (Krautung) vorsehen wird. Die Bedienung der Stauanlagen in der Karthane erfolgte ebenfalls situationsgerecht, trotzdem waren auch dadurch Ausuferungen nicht zu verhindern.

© Landkreis Prignitz 


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