Georg-August-Universität Göttingen: Auf der Suche nach der Siedlung von „König Hinz“

04.10.2018

Neue Grabungskampagne in Seddin unter Leitung von Dr. Immo Heske

Der Gebietsreferent Jens May, BLDAM und der Leiter der Ausgrabung Dr. Immo Heske luden zu einer Besichtigung der Ausgrabung und zu einer Vorstellung der Grabungsergebnisse nach Seddin ein. (Foto: LK Prignitz)zoom

Bei dem Bau der Ferngasleitung im Jahre 2004 wurde deutlich, dass zwischen den Grabhügeln im Wickbold`schen Wäldchen und dem „Königsgrab“ von Seddin sich Hausgrundrisse und weitere archäologische Relikte erhalten haben. Das Alter und ihr Erhaltungszustand waren bisher nur schwer abzuschätzen. Um nun den Charakter des Platzes und dessen Ausdehnung (Einzelhof oder Siedlung?) sowie die Befundintensität besser abschätzen zu können, finden auf Initiative des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege derzeit für drei Wochen neue Untersuchungen durch ein Ausgrabungsteam der Universität Göttingen unter der Leitung von Dr. Immo Heske statt. Aufgedeckt wurden zwei Flächen von jeweils 100 m². Es fanden sich bisher die Pfostenstandspuren weiterer Gebäude und sogenannte Siedlungsgruben mit einer Tiefe von bis zu 60 cm. Für besondere Überraschung sorgte aber eine Ausgrabungsfläche, die in einem Bereich angelegt worden war, der vor einigen Jahren durch die Römisch-Germanische Kommission geomagnetisch untersucht worden sind. Dieser Bereich liegt unmittelbar an dem durch das Gelände verlaufenden Bachlauf. Mit der Geomagnetik können ohne Bodeneingriffe Störungen im Boden erkannt werden. Seien es nun Bodeneingriffe aus dem 19. oder 20. Jahrhundert n. Chr. oder eben auch urgeschichtliche Tätigkeiten. Aber eine Alterszuweisung kann nicht erfolgen, ebenso eine Zuordnung der Strukturen.

Zur großen Freude der Ausgräber fanden sich direkt am Wasserlauf urgeschichtliche Befunde. Sie lassen aufgrund der Hitzeeinwirkung auf einen Bereich schließen, in welchen technische Anlagen ehemals in Funktion waren.

Die Keramik deutet mit ihren Verzierungen in den Zeithorizont, in welchem das Grab des Königs Hinz angelegt worden ist. Lebte er hier am Bachlauf? Wohl eher nicht, denn der Standort lässt evtl. auf produktionstechnische Anlagen schließen. Aber vielleicht kontrollierte er die Tätigkeiten in dieser nun immer größer werdenden jungbronzezeitlichen Siedlung. Sollten diese Fundstellen alle inhaltlich zusammen gehören, würde der Rahmen eines Dorfes alsbald gesprengt werden.

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