Die Geschichten hinter den „gefärbten Steinen“

05.09.2019

Großes Interesse an den aktuellen Ausgrabungen unweit des Königsgrabes Seddin

Die aktuellen Grabungen werden weitere Aufschlüsse über die Siedlungsstruktur rings um das historische Königsgrab Seddin bringen. Foto: Landkreis Prignitzzoom

Wie im vergangenen Jahr hatte der Sachbereich Denkmalschutz des Landkreises Prignitz zum Tag der offenen Grabungen nach Seddin eingeladen. Interessenten konnten den Archäologen und Studenten aus Göttingen bei den Untersuchungen unweit des Königsgrabes Seddin über die Schulter schauen. Darunter auch Jungen und Mädchen der Klassenstufen 3 bis 6 der Geschwister-Scholl-Schule und der Rolandschule aus Perleberg sowie aus der Grundschule Groß Pankow.

„Wir hätten mehr als 100 Kinder die außerschulischen Lernorte zeigen können, so wissbegierig waren die Kinder“, weiß Frank Riedel, Vorsitzender der Förderkreises Prignitzer Museen. Aber der logistische Aufwand sei so kurzfristig nicht zu stemmen gewesen, erläuterte er.

Seit dem Jahr 2000 finden jährlich archäologische Forschungen in Kooperation des Landkreises Prignitz und dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum am Königsgrab und in dessen Umfeld statt. Seit 2015 untersucht Dr. Immo Heske von der Universität Göttingen mit Studenten den Raum zwischen den beiden prominenten Grabhügeln, die auch dieses Mal wieder vor Ort waren. Denn viele Fragen sind noch nicht geklärt: Wo wohnte der „König“ - im direkten Umfeld? Wo stand seine Behausung? Wie sah seine Residenz aus? Lag sie eingebettet inmitten oder am Rande des entdeckten Siedlungsareals mit Wohn- und Handwerkervierteln, wie man es aus den mittelalterlichen Städten kennt?

Die Funde der aktuellen Grabungen müssen noch gründlich ausgewertet werden, aber diese und weitere Forschungen könnten untermauern, dass es sich unweit des Königsgrabes nicht nur um einen kleinen Dorfanger, sondern um eine 3 bis 4 ha große Siedlung mit Metropolcharakter handeln könnte. Dr. Immo Heske stellte auch diesmal die aktuellen Grabungsergebnisse der beiden 100 m² Schnitte der interessierten Öffentlichkeit vor. Hochinteressant vermochte er, die Geschichten hinter den „gefärbten Steinen“, einzelnen Keramikfragmenten und dunklen Feuerstätten zu erzählen.

Fasziniert davon zeigte sich auch Landrat Torsten Uhe. Ein weiterer Mosaikstein der zentralen archäologischen Orte werde hier gehoben, sagte er. Er bedankte sich bei den Akteuren, insbesondere beim Förderkreis Prignitzer Museen, der diesen außerschulischen Lernort für gut 70 Kinder ermöglichte. 

Der monumentale Seddiner Grabhügel mit knapp 62 m Durchmesser und einer Höhe von 9 m wurde während der jüngeren Bronzezeit im späten 9. Jahrhundert v. Chr. als Begräbnisstätte eines sehr bedeutenden Herrschers errichtet. Seine steinerne Grabkammer mit mehr als 40 Ausstattungsgegen-ständen, darunter ein Schwert und eine Amphore aus Bronze, kam bereits im Jahre 1899 beim Abbau von Steinen zutage und kann noch heute besichtigt werden. Der Grabhügel und seine Ausstattung gelten als einmalig für den nordmitteleuropäischen Raum.

 

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