Die Burg von Lenzen

Sitz slawischer und deutscher Herren

Spätslawischer Topf mit kreuzförmigem Bodenzeichen. In ihm wurde in einem Haus ein Speisenopfer vergraben (11. - 12- Jh.). Quelle: Archäologie Manufaktur GmbHzoom

Inmitten des einzigartigen Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe befindet sich im Nordwesten der Prignitz die Stadt Lenzen. Sie wird überragt von der slawisch-deutschen Burg mit ihrem mächtigen Bergfried aus dem 14. Jh. Seit 1993 erfolgte der Umbau der Burg durch den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum "Europäischen Zentrum für Auenökologie, Umweltbildung und Besucherinformation". Im Mai 2007 eröffnete hier ein Tagungszentrum mit Museum, Gästezimmern und neuem Burgrestaurant.

Aus dem Rheinland stammende Spielzeugfigur eines Reiters (15. Jh.). Quelle: Archäologie Manufaktur GmbHzoom

Das Gebiet um Lenzen, an einem strategisch wichtigen Elbübergang gelegen, gilt seit dem 9. Jh. als besondere militärische Kontaktzone zwischen dem fränkisch-deutschen Reich westlich der Elbe und der slawischen Welt östlich des Flusses. Kennzeichnend für das slawische Stammesgebiet sind stark befestigte Burgen aus Holz und Erde sowie offene Siedlungsplätze, die aufgrund historischer Quellen dem Stamm der Linonen zugeordnet werden können. Im Jahre 804 zerstörten die Slawen erstmals das auf der westlichen Elbseite gelegene Kastell Karls des Großen auf dem Höhbeck. Auf Befehl Heinrich I. nahm ein sächsisches Heer im September 929 nach erfolgreicher Feldschlacht die Burg Lunkini (Lenzen) als Hauptort der Linonen ein. Darüber berichteten die Chronisten Widukind von Corvey und Thietmar von Merseburg. Ob es sich bei der eroberten Befestigung um die Burg am Rande der Stadt Lenzen oder um die nur ca. 5 km entfernte Burg von Lenzen "Neuehaus" handelt, ist noch immer ungewiss.

Lageplan der Burg mit Bauphasen (Ausgrabungsfläche grün), Quelle: Archäologie Manufaktur GmbHzoom
Freigelegte Holzkonstruktion des jüngeren slawischen Burgwalles (um 980) in etwa 7m Tiefe. Quelle: Archäologie Manufaktur GmbHzoom

Die Bauarbeiten zum Umbau der Burg Lenzen zum Tagungs- und Informationszentrum erstreckten sich über mehrere Jahre und waren mit umfangreichen archäologischen Ausgrabungen verbunden, die spektakuläre Ergebnisse erbrachten. Untersucht wurden die Keller des barocken Gebäudekomplexes, die fast 8 m tiefe Baugrube eines geplanten Neubaus und verschiedene Bereiche des Burghofes. Dabei konnten einzigartige Erkenntnisse zur slawischen Burganlage, der spätslawischen Besiedlung und zu der deutsch-mittelalterlichen Burg gewonnen werden. Besonders in den tieferen und älteren Schichten hatten sich hölzerne Bauteile und Gegenstände in ungekannter Qualität erhalten.

Fußboden eines 4 x 4 m großen Blockhauses des 10./11. Jh. Quelle: Archäologie Manufaktur GmbHzoom

Die Ausgrabungen dokumentieren die Entwicklung der Burg Lenzen von der bislang ältesten slawischen Befestigung aus der Mitte des 10. Jh. bis zur Gegenwart. Am Grunde des Burgberges in etwa acht Meter Tiefe wurden die Überreste eines holzverstärkten Erdwalles mit vorgelagerten Palisaden erfasst. Zu dieser Zeit war der Burginnenraum durch Flechtwerkzäune gegliedert. Diese Burg wurde in den Jahren 981 - 982 durch einen massiven Ringwall mit einer abweichenden Orientierung ersetzt.

Stadt und Burg Lenzen im 17. Jh. (Kupferstich), Quelle: Merianzoom

Er bestand aus erdverfüllten Holzkästen, die in Blockbautechnik errichtet wurden. Dabei bildeten die nach innen abgestuften Kästen eine Art Wehrgang. Im Inneren der Burg befanden sich zahlreiche Gebäude. Ein untersuchtes Blockhaus wies ein Nebengebäude aus Flechtwerk auf. Dieses besaß einen Dielenfußboden aus Eichenspaltbohlen. Unterhalb der Dielen kamen die gut erhaltenen Reste einer reich verzierten Tür zu Tage. Die einzigartigen Baubefunde und das reiche Fundmaterial sollen auf Burg Lenzen in einer eigenen Ausstellung mit dem Titel "Fahrstuhl in die Slawenzeit" präsentiert werden.

Download der Tafel Lenzen (2,33 MB)                                                              Text: Thomas Hauptmann/BLDAM

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