Das Grab von Mellen

Letztes Zeugnis der Megalithkultur

"Dicht bei dem Dorfe Möllen, welches etwa eine Stunde von Lenzen entfernt ist, liegt ein großes Hünengrab, das aus gewaltigen Steinen besteht, die der Länge nach aneinander gesetzt sind; einer derselben ist aber von bedeutender Grösse und ruht auf mehreren anderen, so daß man, da er unten flach ist, bequem darunter fortkriechen kann. Hier soll, wie man sich erzählt, der Riesenkönig begraben liegen; welcher es aber gewesen und wie er geheißen, weiß man nicht. Doch muß er, da sein Grab so groß ist, wohl ein gewaltiger Herr gewesen sein, zumal auch viele Grabhügel und Steinkreise umherliegen." 
                                                                                                          Adalbert Kuhn, Märkische Sagen 1843

"Das Hünengrab zu Mellen, Kreis Westprignitz" - Exkursion des Märkischen Provinzialmuseums Berlin vom 14.-16. Oktober 1882 (Quelle: Archiv, Stiftung Stadtmuseum Berlin)zoom

Großstein- oder Megalithgräber, im Volksmund auch Dolmen, Hünenbetten oder Riesenstuben genannt, gehören zu den bekanntesten vorgeschichtlichen Denkmälern überhaupt. Vielerorts ranken sich, wie in Mellen, seit Jahrhunderten überlieferte Volkssagen um die scheinbar von Riesenhand aus Findlingsblöcken errichteten, monumentalen Bauwerke. Zugleich wurden die verwendeten Findlinge sehr häufig von Steinschlägern zerkleinert und als Baumaterial oder Pflastersteine verwendet. Besonders in der ersten Hälfte des 19. Jh. verschwanden so die meisten der bis dahin sehr häufigen Großsteingräber aus dem Landschaftsbild. Auch das Mellener Grab diente bis 1845 als Steinbruch. Bereits im Jahre 1887 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und befindet sich seither in unverändertem Zustand.

Ansicht der Grabkammer von Südwesten, Foto: BAB Hauptmann + Bach GmbHzoom
Rest der Grabkammer und der Steinsetzung (Blick von Nordosten), Foto: BAB Hauptmann + Bach GmbHzoom

Bei dem Mellener Hünenbett handelt es sich um ein sogenanntes Ganggrab. Die etwa 22 x 8 m große Grabanlage wurde von einer zentralen Kammer und der sie umgebenden rechteckigen Steinsetzung gebildet. Ursprünglich war über der Kammer ein Hügel aufgeschüttet, dessen Einfassung die äußere Steinsetzung bildete. Die Grabkammer bestand aus ehemals sechs Jochen. Ein Joch wurde jeweils durch zwei senkrechte Trägersteine (Orthostaten) und einen Deckstein gebildet. Die Steine wurden mit ihrer ebenen Seite nach innen versetzt und die Zwischenräume mit kleineren Steinplatten ausgezwickelt. Ein ähnlich konstruierter Gang vom Hügelrand zur Kammer gab dieser Grabform den Namen. Durch die Steingewinnung verlor das Mellener Grab drei der sechs Decksteine, zahlreiche Orthostaten und Steine der Einfassung. Einige befinden sich heute noch im Bereich der Anlage, jedoch nicht mehr in ihrer ursprünglichen Position.

Lageplan des Mellener Grabes - Aufnahme 2007, Zeichnung: BAB Hauptmann + Bach GmbHzoom

Das Mellener Grab wurde bislang nicht wissenschaftlich untersucht. Man muss jedoch davon ausgehen, dass die in der Kammer befindlichen Bestattungen bereits im 19. Jh. zerstört wurden. Die Sitte, aus großen Steinen (Megalithen) Häuser für die Verstorbenen zu errichten war seit dem 4. Jt. v. Chr. in weiten Teilen Europas und des Mittelmeerraumes verbreitet. Die Entstehungszeit des Mellener Großsteingrabes liegt neueren Forschungen zufolge in der Zeit zwischen 3000 und 2500 v. Chr. (Mittelneolithikum). Es handelte sich um den Bestattungsplatz einer Gemeinschaft, der über einen längeren Zeitraum genutzt wurde. Der Zugang zur Grabkammer wurde für jede Bestattung geöffnet, um den Verstorbenen mit seinen Beigaben niederzulegen. Von den einst sicher vielen Hundert derartiger Anlagen in Deutschland sind heute nur noch sehr wenige erhalten geblieben. Das Hünengrab von Mellen ist das letzte Megalithgrab der Prignitz. Es vermittelt eine eindrucksvolle Vorstellung vom aufwändigen Grabkult ihrer steinzeitlichen Bewohner.

Download der Tafel Mellen (1,7 MB)                                                                 Text: Thomas Hauptmann/BLDAM

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